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Tag 71: Demutspitz – Rosskopftörl – Tscharrhütte

Die Nacht am Hüttenlager ist leider nicht ohne den obligatorischen Schnarcher geblieben. So stehe ich schon vor 6 auf um die Ziegen aus ihrem Unterschlupf zu holen. Das Wetter hat sich gebessert, es ist zwar noch ein wenig windig, aber die Sicht ist gut und über dem Wolkenmeer sieht man unzählige Gipfel aufragen, am beeindruckensten die Tre Cime im Süden. Bumbum und Mano sehen ganz gut aus. Wir grasen eine Runde und dann hänge ich sie vor der Hütte an, denn ich will auch frühstücken. Danach packen wir schnell unsere Sachen und dann gehts um 7 Uhr auch schon los.
Bei toller Fernsicht und bald auch ein wenig Sonne gehen wir am Kamm die Österreich-Italienische Grenze entlang. Kurz darauf kommen aber auch schon die ersten Wolken die uns einhüllen. Am Hochgräntenjoch ist ein kleiner Soldatenfriedhof der im Nebel sehr gespenstisch wirkt. Dort treffen wir auch auf den ersten Kyselak! Weiter gehts über die Schöntalhöhe zum Eisenreich, der höchsten Stelle des Karnischen Höhenweges. Hin und wieder reisst die Wolkendecke auf und wir können ein wenig von der Landschaft genießen. Den Großglockner haben wir aber dennoch nicht sehen können. An Schützengräben, nur noch erahnbaren verfallenen Hütten aus dem Krieg, und dem zweiten Kyselak an einem Stolleneingang geht es dann runter zur Obstansersee-Hütte, an einem See mit Tretbooten gelegen. Muss schön sein dort wenns schön ist. Wir lassen die Hütte im Nebel links liegen und steigen auf zum Rosskopftörl wo wir Mittagspause machen. Auch wenn es nicht regnet sind durch das hohe nasse Gras unsere Schuhe und Hosen durchnässt. Ich trockne meine Socken auf Bumbums warmen Rücken. Beim Abstieg ins Erschbaumer Tal fängt es dann aber doch an zu Regnen. Vor der Tscharrhütte, einer kleinen Notunterkunft, bauen wir den Ziegen das Tarp auf und wir verkriechen uns rein. Bald hört es wieder auf, wir kochen uns was feines, und gehen dann grasen. Später kommen zwei Frauen vorbei, schauen rein in den Unterstand und fragen ob alles in Ordnung sei (ist ja immerhin eine Notunterkunft). Nachdem wir unsere Geschichte erzählt haben geben sie uns aus ihrem Rucksack zwei Pfirsiche und Müsliriegel die sie nicht mehr ins Tal runter nehmen wollen – so nett! Dann gibts Zirbenschnaps und eine Gutenachtgeschichte. Später fängt es nochmal an zu Schütten wie aus Kübeln und Bumbum springt aus dem Stand mit einem Satz über die Absperrung die wir vor der offenen Tür errichtet haben weil wir die Tiere in der Nacht im Blickfeld haben wollen. Also dann leider doch wiedermal die kurze Leine für Bumbum. Auf der breiten Sitzbank (breit für eine Sitzbank aber schmal für ein Doppelbett) machen wir es uns bequem und gehen relativ früh schlafen weil es morgen schöner werden soll und wir den Tag voll nutzen wollen.

5 Gedanken zu „Tag 71: Demutspitz – Rosskopftörl – Tscharrhütte“

  1. Die Obstanserseehütte ist tatsächlich recht schön, aber wie alle Hütten am karnischen Hauptkamm recht überlaufen, die meisten Leut gehen aber nur bis zum Plöckenpass, ab dort wirds dann ruhiger. Falls man nach 17:30 zu einer Hütte kommt, schmeissens einen übrigens raus, wenn die Bude voll ist.

  2. Eh auch im August, ist bei euch weniger los? Bin grad etwas im Verzug mit dem Nachlesen wegen Gitarre baun, ist doch ziemlich viel Arbeit. 🙂

  3. Wunderschöne Bilder, voller Ruhe und ohne Zeit, die beiden Racker immer im Vordergrund, dahinter die Berge im Licht-Schattenspiel, traumhaft, und: was hat es eigentlich mit dem Kyselak von dem ihr da schreibt für eine Bewandtnis, ist der dort eine lokale Größe?

  4. Joseph Kyselak war ein Wanderer und Alpinist des frühen 19.Jhdts, der die Angewohnheit hatte seinen Namen an den merkwürdigsten Orten zu hinterlassen. Wie der an Wegweiser des Karnischen Höhenweges gelangte ist den Historikern allerdings ein Rätsel…

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