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Tag 76: Zollnerseehütte – Straniger Alm – Trogkofelbahn-Bergstation

Pfuh, was für ein länger Tag! Wir stehen wieder mal früh auf und verlagern uns aus der kleinen Mulde ein paar Meter weiter nach oben um mit Sonne im Gesicht bei prachtvollen Panorama zu frühstücken. Der Schlafsack ist vom Tau recht nass geworden, trocknet aber schnell. Wir packen uns zusammen und verlassen diesen schönen Ort, einer der schönsten Schlafplätze bis jetzt. Beim Abstieg zur Bischofsalm trete ich fast auch eine stattliche Schlange die sich am Weg zwischen dem feuchten Gras in der Morgensonne wärmt (wahrscheinlich eine Wiesenotter). Mit meinem Stock versuche ich sie wegzuheben woraufhin sie anfängt zu fauchen und zwei mal in den Stock beisst bevor sie abhaut.
Der sumpfige Weg führt uns zur Oberen Bischofsalm wo wir einem sehr wortkargen aber äusserst netten Hirten der gerade seinen Kühen Salz bringt und auch Bumbum probieren lässt. An der Zollnerseehütte kehren wir ein, die Böcke werden an den Holzzaun gehängt und erfreuen dort die Kinder der Tagesausflügler. Nach einer gute Jause bekommen wir vom lustigen Hüttenwirt, der Clara an ihren Papa als Hüttenwirt erinnert, auch noch einen halben Kilo Brot mit. Dann gehts vorbei am Zollnersee, dem Lodintörl und dann hinunter zur Straniger Alm. Diese lassen wir aber aus und gehen noch ein paar Minuten weiter um im Schatten einer Tanne auf einer Wiese Pause zu machen. Bis hier sind uns wirklich viele Leute (Tagesausflügler und Mountainbiker) begegnet – weit mehr als auf den „überlaufenen“ Etappen der ersten Hälfte des Karnischen Höhenweges. Der weitere Weg ist eine Schotterstraße und es geht dementsprechend flott dahin. Hinter einem Gatter steht ein massiges Kalb das uns zwar vorbei lässt, uns dann aber für eine Viertelstunde folgt. Bumbum und Mano meckern die Kuh an die daraufhin zurück muht. Überhaupt sind die beiden über die Wochen richtige Plaudertaschen geworden. Während sie anfangs fast gar nichts gesagt haben, meckern sie mittlerweile sehr häufig uns an, aber auch schon Kühe und Pferde. Auch wenn andere Ziegen oder Schafe in Hörweite sind wird manchmal geschrien was das Zeug hält. Als uns der Bauer der Kleinkordinalm mit dem verloren gegangenen Kalb sieht will er es zur Herde zurück bringen, was um einiges schwieriger ausgesehen hat als unsere ohnehin schon sehr zugkräftigen Böcke gegen ihren Willen irgendwo hin zu dirigieren. In den Felswänden unterhalb der Ringmauer finden wir wieder mal einige Höhlen aus dem Krieg. Weil es recht heiss und schwül ist sind die Böcke da auch schnell drinnen um Abkühlung zu suchen. Diesmal hatten sie die Stirnlampen auf und haben uns durch die Tunnel geführt. Weiter geht es über den Sella di Val Dolce. Weil schon Wolken aufziehen (es ist Regen angesagt für den Abend) überlegen wir kurz hier zu bleiben, aber da wir uns am Freitag mit Claras Mutter in Maglern treffen wollen entscheiden wir uns noch ein wenig weiter zu gehen. Der Weg führt uns über endlose Geröllhalden unterhalb der imposanten Wände der Berge Zottachkopf und Trogkofel. Langsam hüllen uns die Wolke ein und es scheint bald mit dem Regen anzufangen also steigen wir kurz vor dem Rudnigsattel über den Kamm zur Skiregion Nassfeld. Mit der Gipfelstation der Trogkofelbahn finden wir einen regenfesten Unterschlupf. Auf den Treppen zur Station kochen wir uns einen riesen Topf Nudeln – den haben wir uns heute mit über 27km Strecke verdient. Das Wetterleuchten das im Norden immer heftiger wird macht uns ein wenig Sorgen. Aber es ist nun schon dunkel und als dann der Wind aufkommt ziehen wir uns weiter unter die Konstruktion zurück. Ich hab noch zwei dicke Gummimatten von der Station geholt die uns für den Fall dass das Gewitter doch herkommt besser von dem Boden auf dem wir liegen isolieren sollen. Es blitzt und donnert nun schon recht gewaltig, oft ist es Sekunden lang hell, und der Regen peitscht seitlich unter die Station sodass wir schnell das Tarp auspacken und notdürftig über unseren Schlafsack legen. Wir wissen nicht einmal ob die doch recht ausgesetzt auf einem Felsspitz stehende Station überhaupt einen Blitzableiter hat, und selbst wenn, ob es dann eine gute Idee ist unter der Station am Boden zu liegen. So kauern wir uns in unserem Schlafsack eingehüllt zusammen und hoffen dass das Gewitter nicht zu nahe kommt…

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