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Tag 91: Frauenalpe – Murauer Hütte

Das Gewitter blieb über dem Gipfel vor uns – gut, dass wir nicht weiter gegangen sind. Der Regen hat bald aufgehört und die Nacht war absolut totenstill. Kein Wind, kein Vogel, kein Gezirpe, einfach nichts. Morgens essen wir all unsere Vorräte zum Frühstück auf und packen unsere feuchten Sachen zusammen. Die zwei Ziegen grasen eine grosse Runde, erscheinen aber wieder pünktlich zum  Aufbruch. Sehr brav. Manolito hat eine kleine aufgeriebene Stelle am Rücken, die wir schon länger beobachten, aber nun erscheint sie uns geschwollen. Weh tut ihm aber nichts wenn wir draufdrücken. Wir entscheiden uns mal die Sättel zu wechseln, jetzt hat Bumbum den Prinzessinen Sattel mit der Rolle!
Sehr motiviert geht es durch Kuhweiden wobei uns die Pferde auf der Weide nebenan Drohgebärden zuwerfen und schnauben und stampfen. Wir gehen aber unbeirrt unseren Weg zur Prankerhöhe wo wir recht erstaunt feststellen, dass es nach Murau noch sehr weit angeschrieben ist – seit dem letzten Wegweiser wo 4h stand ist es eine Stunde her, und nun steht 5h, und ja, wir sind in die richtige Richtung unterwegs. Sicht haben wir leider keine, es ziehen Nebelschwaden herum und wir gehen von Markierung zu Markierung auf wahrscheinlich schönen Bergrücken, die im Nebel aussehen wie die Highlands. Umgebung sehen wir absolut nicht! Als sich der Nebel über der Ackerlhöhe kurz lichtet sehen wir eine riesige Herde von Gämsen, sicher mehr als 20, als sie uns sehen laufen sie einfach in den Nebel zurück und sind verschwundene, wir sehen nur noch vereinzelt Umrisse dieser schönen Tiere. Weiter gehts durch den Wald bergab, viele Schwammerl wieder überall. Wir gönnen uns keine Pause weil für den Nachmittag schon wieder Gewitter angesagt ist. Der Gipfel der Frauenalpe musste aber doch noch mit, und das wars wert! Kurz haben wir sogar ein bisschen Aussicht und Sonne. Dann verschwindet sie und es setzt erstmalig Regen ein. Die Bernhard-Fest Hütte ist leider verschlossen und so steigen wir ab. Obwohl es immer wieder donnert kommen uns Menschen entgegen die noch bergauf steigen. Die ersten Wanderer seit 3 Tagen die wir sehen! Wir erreichen die Murauer Hütte dann doch in der ursprünglich angegebenen Zeit und finden den Tieren einen Platz im Wald. Wir selbst haben, seit dem wir von der Turracher Höhe los sind, eigentlich durchgehend nasse Füße und sind froh ein Zimmer nehmen zu können. Unsere Socken wurden auch sogleich von der Wirtin gewaschen, weil sie den Trockenraum so verstunken haben! Vom Ex-Bürgermeister von Murau werde ich zu einem Kakao eingeladen. Feines Essen, nette Leute und draussen regnet es wie aus Kübeln. Heute wieder mal perfektes Timing obwohl der Regen so nicht im Wetterbericht angesagt war.

6 Gedanken zu „Tag 91: Frauenalpe – Murauer Hütte“

  1. Wenn man euch so zuhört, hat man den Eindruck, eure Wanderung ist seit langem euer Alltag, euer alltägliches Leben, die Ein- und Zweisamkeit, die Landschaft, die Berge, das Wetter, die beiden Buben, hie und da Nahrungsbesorgung, Reparaturen und dann gehts wieder weiter, die Zivilasation erscheint als notwendiges Übel, kann ich sehr gut nachvollziehen, aber ich gehe in 3 Jahren in Pension, ihr aber habt noch eine einige Jahrzehnte „Zivilisation“ vor Euch, bin gespannt wie ihr da wieder rein kommen werdet.

  2. Habt ihr Pippi Langstrumpf nicht getroffen? Ihr Pferd ist jedenfalls unverkennbar auf dem Foto gelandet.
    Ich bin so stolz auf euch. Weiter so!

  3. Die Begegnung mit Bumbum, Manolito, Clara und Ulrich war ein Erlebnis !! Wohin kann ich euch ein gutes SCHUHFETT bringen??
    mir hat es das NASSE SCHUHE PROBLEM gelöst.

  4. Liebe Annemarie, Vielen Dank, aber wir sind schon beim Glattjoch vorbei! War ein sehr guter Tipp und wir haben es genossen. Die Schuhe müssen ja nur noch bis Dreistetten halten und sind eh bereits wieder trocken.

  5. … nach Murau zur Frauen- bzw. Stolzalpe ging 1971 mein zweiter Schulschikurs. 2 Erinnerungen dazu:
    – in der Unterkunft saßen wir alle vor dem Fernseher und sahen Raimund Harmsdorf zu, wie er in der legendären Vorweihnachts-Fernsehproduktion „Der Seewolf“ rohe Erdäpfel zerdrückt und
    – die abgebrochene Spitze meines Schis wird auf die Hüttenwand der Murauer Hütte genagelt
    Super wie Ihr das macht!

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